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Henriette Frieda Amanda Vásárhelyi
arbeiten & spuren

Nachrichten aus Levkojen

2022/05/27
Herzrand
nichts ersetzt dich
Heimatdichtung ohne Zugehörigkeit
deine Zeichen aus Strichen und Kreisen
dein Kosmos unfähig etwas einzufädeln
nur Anhäufung aus Zeit zu Raum
voller Aushöhlungen die du als dunklere Kuppeln beschreibst
langsam vorangefressen in Reste aus helleren bald lichtlosen Weiten
in diesen Widerspruch grölt von draussen der Chor
der Schwinger, Larventräger und Sternsinger ein dreifaches Tätärätätä
dieser Gesang lobt die Geschichte
die du in deine Materie eingeschrieben lesen musst
unisono kaum vermittelbar
kaum je semantische Ordnung oder Rückführung
summst du und erzeugst Erkennen
durch die Misere der pathologischen Zufluchtssuche
leicht unter dem Dröhnen der Laubbläser
kreierst du keine Idee der Erlösung mehr
schöpfst aus Orgasmen
hier einen und dort einen
ein bisschen Hier
ein bisschen Jetzt

© Henriette Vásárhelyi

2022/04/29


Beinahe zehn Jahre nach der Veröffentlichung meines Debüts immeer habe ich es als Hörbuch aufgenommen. Es waren helle vorfrühlingshafte Tage in Berlin, kalt und wunderbar. Auch im Buch streift die Icherzählerin Eva Blach durch Berlin und ich mit ihr - in der Audiokabine durch das Berlin von immeer und dann durch das Berlin der Gegenwart. Das Hörbuch steht ab sofort als Download zu Verfügung:
apple music | Thalia | spotify | Xinxii | (& viele andere mehr)
Dank an Berthold Heiland für die Aufnahmen und die Bearbeitung und an Sabine Dörlemann für die unkomplizierte Unterstützung!

2020/10/06
Marion Brasch schreibt ein Gedicht über ihren Bruder (ihre Brüder).

2021/07/07


Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer
Das erste Buch, das ich nach 10jähriger Askese wieder lieben konnte. Nichts konnte die Erzählerin abhalten weiterzuerzählen aus dem Leben der Kinder, deren Mutter 56 in den Westen flieht und die fortan mit ihrem Vater Kálmán von Verwandten zu Verwandten tingeln. In der Melodie Ungarns, im Sommer und am Plattensee. Damals konnte ich das Land einfach so lieben, wie es war. Heute kenne ich viele Widersprüche. Jetzt verstehe ich Kálmán besser. Mein Herz aber gehört Isti und der Erzählerin. (ein Selfi für Photoschweiz 2021 | Schwimmbrille @Julia Kuhn)

2017/06/12
dass es der Körper ist, der sich meldet und aus dem die Erinnerung kommt     ››› ›››

2017/05/06
Entre nous, Henriette Vásárhelyi! 7 Fragen, die ich beantwortet habe     ››› ›››

2017/02/14
Zur Geschichte der tunesischen Fischer Abdelbassette Jenzeri und Abdelkarim Bayoudh     ››› ›››    

2016/12/01

Max Frisch - Die Schweiz als Heimat?
Dankesrede zur Verleihung des Schillerpreises 1974

2016/19/09
in deine Form
ich könnte ja
wie ein vorauseilender Gehorsam
(Hund)
die Tischwäsche mit den Händen packen
und lautlos herunterreißen
(und gleich zusammenlegen, schrankfertig)
das Geschirr bliebe davon völlig unberührt

© Henriette Vásárhelyi


Foto © Otto Senf

2016/01/09
mein dein
Körper voller Bilder
die nicht meine Erinnerung sind
die ich doch dafür halte
das Eintauchen ins Wasser, Luftblasen
die aufsteigen, das Wasser im Rausch
(im Reintauchen) an [m]einer Spindel
(im besten Falle, so ist es gedacht)
an mir empor
und ich hinab
verdrängen

© Henriette Vásárhelyi

LOVE PEACE JUSTICE
Old man warnow river wie sich mein Vater in Briefen an uns Kinder manchmal nennt, sammelte in jüngeren Jahren wenige Worte Lyrik, verdichtete und webte in Zeilen Umstände. Später begann er komprimiert zu notieren. Zusammen fügt er Schichten aus Alltag, Biografie und Politik. Beobachtungen, gebunden in Zeitgeschichte. Kunstaktionen deuten die eigenen Erfahrungen am Familientisch über Generationen und seine Verbundenheit mit Schöpfung und Mythos. Enstanden ist der Band: LOVE PEACE JUSTICE, Gedichte & Notate zwischen 1958-2017

Das Cover des Lyrikbandes, der als Link funktioniert.

zur Website & Buchbestellung     ››› ›››

2016/03/10
Und ich ducke mich unter den Schnee, Idomeni. Und dicht unter der Schneedecke ist ein kleines Loch im Eis, durch das ich schlüpfe. Im eiskalten Wasser gleiten die Seefische vor sich hin und um sie wehen sachte die Wasserpflanzen, dort zwischen sie flüchten eine Handvoll Menschen. Am Abend im Tatort werden die Fakten gemischt in die Repliken als sei das alles eine Story und das bittere Ende die Moral der Gegenwart. Keiner sagt mehr, wir haben es nicht gewusst, Idomeni. Wir behaupten unsere Sorgen doch nur gegen die der anderen, Idomeni. (eifersüchtig auf Zuwendung) Wir ändern noch schnell den Urlaubsort, wer weiß, wer dort noch aus dem Meer kriecht und an unserem Tisch sitzen will. Wir wischen die Algenmaske von den Wangen und von den Tränensäcken und denken nach über die Schönheit und ordnen unseren Wohlstand. Zuschnappen bevor es andere wegschnappen, Idomeni!

Sunday Feature | Sun 19 Apr 2015
A Secret Life: Uwe Johnson in Sheerness

"I got the nickname 'the Poet of the Divided Germany' which I didn't want to be at all," the writer Uwe Johnson protested in an interview recorded five years before his death in 1984. So why did this serious, uncompromising writer, who also lived in New York in the mid-1960s, decide to settle in unglamorous Sheerness, Kent in 1974? It was a move which many of his contemporaries found difficult to understand.

hören   ›››   

2015/10/17

2015/09/15
"Ah, du schläfst schon? Wache gut auf mein Freund! Schon läuft der Strom in den Umzäunungen, und die Posten sind aufgestellt. Nein, schlaft nicht, wenn die Ordner der Welt geschäftig sind! Seid misstrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen! Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird! Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet! Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!"
Günther Eich, Träume, Hörspiel, 1951
DLF-Sendung „Träume“ Alptraum für das Wirtschaftswunderland

B E B S
ES EXPRESS
4 Touren durch die ErsatzStadt

Tour D: Fuchsbau (Mobile Stadt / Mobile City)
Mobiles Wohnen: Contemporary Urban Planning scheitert an deutschem Baurecht. Babisi und Tina von der Wagenburg Schwarzer Kanal e.V. führen den Istanbuler Theoretiker und Stadtaktivisten Orhan Esen durch das Berlin der Wagenburgen und beschreiben Utopien für eine moderne Stadt - und die erlebten Grenzen die durch Vorurteile und Gesetzeskataloge definiert werden.

Mitwirkende: Babisi, Claudi, Orhan Esen, Mathias Heyden, Prof. Gernot Nalbach, Sven Thomas-Woyton, Tina, Usch, Zosch, u.a.

Eine Dokumentarfilmreihe von Micz Flor, Merle Kröger, Philip Scheffner
Quelle: youtube

2015/09/10
Die Leute kommen langsam. Es kommen viele. Die Schlepper bringen sie. Wir bedauern das sehr, aber wir geben keinen Weg frei. Frau M. und die Vorsteher der anderen Länder geben sich anständig. Wir verbergen uns hinter ihrem Anstand. Wir sitzen hier und warten, ob sie ankommen. Wir haben einen Karton mit Decken parat. Eine Tüte mit sauberen Kleidern, Kisten mit Obst und Kästen mit Wasserflaschen.
Wir sitzen und warten auf den nächsten Tweet, auf eine Nachrichtensendung zur vollen Stunde, eine frische Zeitung am neuen Morgen. Uns erreichen Bilder von weinenden Vätern und Müttern, schließlich ertrinkt Ailan. Einige ziehen sich ein rotes T-Shirt an und legen sich an die Ufer der Meere, den Kopf auf die Seite gedreht. Ja, ja, als schliefe er. Ich umarme meinen Sohn, als könnte ich so Ailan halten. Laut wird gefragt, ob das Bild von dem ertrunkenen Kind uns erreichen musste. Aber dann beschließt Ungarn seine Grenzen zu schließen und die Dänen stoppen den Zugverkehr. Es wird wieder lauter und es ist nur ein kurzes Innehalten der Trauer gewesen. Dann fahren die Züge von Keleti nach Nickelsdorf wieder. Man hört, Deutschland habe Einfluss auf das eine und das andere gehabt. Diplomatischer Druck. Bei Spon gibt es aber auch wieder nationale Meldungen. Nicht nur zu den Nationalen, die die Häuser der Fremden anzünden. Nein Sport. Es geht um Sport. Am 15.September, dem Geburtstag meiner Freundin, wird Ungarn Grenzübertritte, diese sogenannten illegalen Grenzübertritte, hart zu bestrafen beginnen. Was immer das heißen wird.

2015/04/17

© Mareike Hofmann "mühsam verdeckt von der Übung des Alltags"

1991
Plakat © Anne Rolfs

Höhenfimmel war in 90 bis 91 eine Schüler-Band in Rostock. Sie bestand aus: Anne Rolfs (Gitarre) Stephan Woitge (Gitarre), Volker Huckstorf/Eckart Hilliger (Bass), Felix Kundt (Drums) und Joachim Langer (vocal). Sie ging danach über in die Bands Multi Fractal Impact (91-92) und Schall & Rausch (94-99).



Dice Cast


Back To Nowhere


State Of Fire


Tränen an der Kante


Love Is A Mask


Rosen (My Dreams)


Tränen an der Kante


Ms Waterloo


Wish


Let's NO Stress


El Commissario


Mein Herz brennt


Epilog V. H.



2015/02/23
Im Schatten des Katzentischs
Ich stand am Wegesrand in der Nähe von unserem neuen Häuschen, nicht weit vom Dorf entfernt und sah in die Krone der Kastanie, in die der Wind blies, um mich herum der Weizen, über den er strich und am Ende des Feldes die Zitterpappeln, die ihn brachen. Unsere seltsamen Vögel hängten sich in den Wind, ohne mit den Flügeln zu schlagen. Wie in einer Gegenfluganlage standen sie hoch über meinem Kopf und hielten Ausschau in die Ferne. Die vier farbigen Vasen, die in den Fenstern unseres alten Hauses die Haupthimmelsrichtungen markierten, hatten wir retten können. Sie standen nun aufgereiht auf dem Fensterbrett im Schlafzimmer der neuen Hütte und erinnerten uns an das Leben, das wir gehabt hatten.

Für Robika und seinen Vater Róbert Csorba.
Sie wurden am 23. Februar 2009 in ihrem Haus in Tatárszentgyörgyi ermordet.

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ein Beitrag aus dem Herbst 2014 >>>

2014/12/16


Das, was wir hatten
war immer mehr als Luft und Liebe
mehr Raum, als wir benötigten
mehr Satt, als wir vertrugen
mehr Schlaf, als wir träumten.

Das, was wir hatten
bestäubte rote Plastebecher mit weißen Punkten
stand blätterdicht vor Terrassen
mit Seilen zum Festhalten
zum Hochziehen, zum Schweinebaumeln.

Das, was wir hatten, lag in der Luft
wenn wir Abende saßen auf Eiche rustikal,
durchgesessen von fremden Verwandten
wenn wir Brote in Münder stopften – in Viertel geschnitten
aus Bechern nippten, in Röhren glotzten.

Das, was wir hatten, klauten wir den Alten
und trugen es hinaus in Wälder, auf Meere.

© Henriette Vásárhelyi, 2021
(aus: Sich ein Zuhause suchen)

2014/11/25

2014/10/17
Annette Brandstäter

an den angler in monets bildern
merk dir nie an den wolken (wenn
da ein meer ist – & da
ist ein meer) wo du die fisch
falle versenkst, merk dir immer das über
fließende blau (merks dir am
über) am fluss vom himmel
ins meer, merk dir genau wann
du das meer in den himmel
versenkst, merk dir kein meer
an den wolken (& es gibt diese
wolken – nicht alle sind blau), merk dir am besten
den fisch

© Christian Schloyer

2014/09/15
Mareike Hofmann

Anis, erinnerst du dich, wie wir durch die dunklen Straßen strichen, um das Fürchten zu lernen? Wir kannten ja keine Angst. Jedenfalls keine Große, keine Bittere, keine, die einen von etwas abhält. Erinnerst du dich an die Hautrinde, die wir damals hatten, eine Schutzhülle, unter der das feuchte Holz lebte, das Fleisch. Ja, da waren Regionen von Trauer, aber da war auch ein großes Netz der Blutbahnen, in denen das Leben pulsierte. Sie gaben den Takt vor.
(aus: Seit ich fort bin)

Bücher
Seit ich fort bin
immeer
Erzählungen
Ein paar Frauen zu sehen
try high
Nang Nang
Dies ist keine Reise
Rund um die Uhr laufe ich
Mein Hunger, dein Himmel
Im Schatten des Katzentischs
Das zur Sprache gehörende Wort
An der Beobachtung teilgenommen
Gadjo
Spitzendige Zweige
Jetzt nicht mehr
Im Wasser der Bahnenschwimmer
Spuren
Namibia
über Seit ich fort bin
Bilder einer Liebe
über immeer
Drägende Fragen
Lit. Essay
divers
Annäherung an das Gedicht
Garten Eben
Während du gehst
Rand
Zelle
Stammheim Schleife